Nach dem Tod ihres Vaters übernahm Edith Durham die Verantwortung für die Betreuung ihrer kranken Mutter für mehrere Jahre. Der Arzt empfohlen denen eine Auslandsurlaub zu machen.
Sie unternahmen eine Seereise entlang der dalmatinischen Küste, Von Triest nach Kotor und über Land bis nach Cetinje, die damalige Hauptstadt Montenegros war.
Edith Durham bereiste für die nächsten 20 Jahren intensiv den Balkan und konzentrierte sich vor allen auf Albanien. In diesem Raum schrieb Sie für die Zeitschrift Man und wurde zugleich auch Mitglied des Königlich-Anthropologischen Institut.

Unter anderen schrieb sie auch sieben Bücher über Balkanfragen, von denen „Hochalbanien (1909)“  (High Albania (1909) welches das bekannteste ist. Sie gilt nach wie vor als der wichtigste Wegweiser für die Bräuche und die Gesellschaft im Hochland Nordalbaniens.

 

 

Hier bei einige Zitate/Kapitel ihres Buches…

Das Rozafa Schloss war einst die letzte christliche Hochburg (unter venezianischer Herrschaft), bevor das Osmanische Reich Albanien ganz seiner Herrschaft unterwarf. Auf dieser beeindruckenden Festung widerstanden die Albaner drei Jahre lang einer Belagerung und hielten so die Osmanischen Truppen beschäftigt. Einige Historiker behaupten, dass Rozafa die Osmanen daran hinderte, weiter nach Europa vorzudringen.

Vom Hauptaussichtspunkt des Schlosses Rozafa aus kann man in jedes der Täler aus Durhams Beschreibungen blicken. Der Aufstieg vom Fuße der Festung bis hinauf zu ihrem höchsten Aussichtspunkt, wo sich der Textausschnitt befindet, stellt bildlich dar, was „die Perspektiven von allem, […] hängt gänzlich davon ab, von welchem Punkt es [alles] betrachtet wird“ bedeutet. Dieser Textausschnitt macht auch klar, welche Haltung sie während ihrer Reisen durch die Berge annahm, und welche Wichtigkeit sie der Stimme der Menschen gab, die ihr begegneten.

„Das Land nördlich von Shkodra, genannt Großes Hochland, ist die Heimat fünf großer Stämme: Hoti, Gruda, Kastrati, Skreli und Kilmeni. Es ist Teil des Massivs von Montenegro – einer grauen Wildnis blanken Steins, genannt Karst, das in der Mittsommersonne überwältigend glänzt und gegen die Hitze mit grausamer Kraft ankämpft. Im Morgengrauen nimmt es ein wundersames Blau mit malvenfarbenen Schatten an und sogar dann, wenn es nass ist, hat es die Farbe von schweren schwarzvioletten Donnerwolken. Nur sehr wenig davon ist bebaubar. Weite Gebiete sind ohne Wasser, gänzlich abhängig von Regenfall – eine schmerzende Wildnis, die blanken Knochen einer halb erschaffenen Welt.

Die ganze Region besteht hauptsächlich aus zwei langen, tiefen Tälern und ihrem hohen Weideland, das ihre Talwasserscheiden bildet. Die eine im Tal Tsem, einem schnellen, nie austrocknenden Strom, der nahe der montenegrinischen Grenze parallel zu ihr läuft und in den See von Schkodra mündet.  Die andere ist die der „Trockenen Strömung“, welche selten Wasser hat, in früheren Zeiten jedoch viel Wasser gehabt haben muss, da sie weiter unten einen tiefen Canyon gegraben hat. Weit oberhalb ihres Laufes hat die „Trockene Strömung“ ein großes Bett von von Wasser geschliffenen Felsen. Die Gipfel, die links des Flusslaufes aus der Gebirgskette hervorragen, sind grob gesagt, die Grenzen des Großen Hochlandes und werden die Untere Pulati Gruppe und Shala genannt. Auf seiner anderen Seite grenz das Große Hochland an den Shkodra See und die montenegrinische Grenze (eine rein politische und keineswegs ethnographische Linie). Im Norden befindet sich die Gebirgskette der Prokletija („verflucht“, ein Name den Reisende den Nordalbanischen Alpen oft irrtümlicherweise geben), die es von der Gusinje-Region trennen.

Am Großen Hochland hielt ich inne – nicht um die Berge zu betrachten, sondern das Leben, die Geschichte, die Welt und das große Unbekannte, wie es den Blick auf den Bergmenschen richtet. […] Weltfrieden ist weit entfernt. Aber der Ausblick von allem, dem Leben und moderner Politik miteinbezogen, hängt ganz vom Blickwinkel ab, von dem aus es betrachtet wird. […].” (Mary Edith Durham, High Albania, S.17-18)

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