Eine kleine Reise. Wenn man in Albanien über Gjirokastra nachdenkt, kommt einem vor allem eines in den Sinn, Steine. In Gjirokastra besteht alles aus Stein; die Häuser, die Dächer, selbst die Straßen und alle Arten von Dekorationen. Sehr bekannt sind auch die „Steinmeister“, die seit Jahrhunderten die Tradition des Steinhauens erben und pflegen. Wir wollen uns jedoch zunächst auf den visuellen Eindruck, der sich uns bietet, konzentrieren. Die Stadt befindet sich im Südosten Albaniens, einer bergreichen Gegend wie rund 70% des Landes. Gjirokastra ist infrastrukturell sehr gut angebunden. Man erreicht es von Tirana kommend über die Schnellstraße oder von Saranda im Süden aus, wobei man in den Genuss einer schönen Bergfahrt kommt. In Gjirokastra angekommen befindet man sich in einem Tal umgeben von hohen Bergen. Auf östlicher Seite fließt der Fluss Drin, und auf der westlichen erblickt man die Festung von Gjirokastra ganz in Stein glänzend an der Spitze der Stadt. Man fährt eine enge Straße hinauf und schon kommen die Häuser der berühmten Altstadt näher.

Eine Besucherattraktion ist der Beginn der Altstadt, ein zentralgelegener Platz benannt nach Cerciz Topulli, dem sogenannten Che Guevara Albaniens. Man spaziert durch die engen Steingassen, diese führen zu den verschiedenen Teilen der Altstadt. Jeder Teil wie auch jede Straße und jedes Haus haben Ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen. Diese Stadt ist reich an Geschichten, Erzählungen und Legenden. Als erstes wird sie als Siedlung im 3 Jh v. Chr. erwähnt, und im weiteren Verlauf der Geschichte hat sie verschiedene Höhen und Tiefen erlebt. Ein wichtiger christlicher Ort wurde sie zur Byzantinischen Zeit und in der Osmanischen wurde Gjirokastra zum wichtigsten Vilayet (Verwaltungsbezirk im islamischen Kulturbereich) Albaniens ernannt. Heute finden sich in der Altstadt kaum noch Häuser, die jünger als 300 Jahre sind. In vielen erzählen die Hausherren in 9ter oder auch 10ter Generation die Geschichten aus längst vergangenen Tagen. Eine davon ist die Legende von der Prinzessin Argjiro, der die Stadt angeblich ihren Namen zu verdanken hat. Bei der Belagerung der Türken soll sie aus dem höchsten Turm der Festung gesprungen sein, nur um nicht in die Hände der Besatzer zu fallen. Der Legende nach überlebte sie gemeinsam mit ihrem Geliebten sogar den Fall.

Dieser Legende und ihrer Stadt widmete Albaniens international beruehmter Schriftsteller Ismail Kadare einen Roman mit dem Titel „Chronik in Stein“. Kadare, in Gjirokastratra geboren, gelang es selbst während des Kommunismus in Albanien, seine Bücher auf der gesamten Welt zu verkaufen und wurde somit zu einer berühmten Figur der Literaturwelt, und wurde auch mehrere Male zum Literaturnobelpreise nominiert. Bekannte Personen der Stadt sind auch der Freiheitskämpfer Cerciz Topulli wie auch der Diktator Enver Hoxha, der das Land mehr als 40 Jahre regierte. Das Geburtshaus Hoxhas wurde in ein Ethnografisches Museum umgewandelt und ist heute noch zu besuchen. In der Altstadt befindet sich auch ein reizender Basar, mit vielen Geschäften und Handwerken, die vor Ort gemacht und verkauft werden. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Restaurants mit der traditionellen albanischen Küche und vielen lokalen Spezialitäten. Ein weiteres Highlight der Stadt sind die Gästehäuser. Oft sind es Altstadthäuser, die zu einem Gästehaus umgewandelt wurden und vom Hausherr geführt werden. Und es gibt nichts Besseres als das gute Essen der Hausherrin. Das ist Gjirokastra kurz beschrieben; ein UNESCO Weltkulturerbe und eine Stadt voller Legenden, oft sehr mystisch…in manchen Teilen etwas verschlafen und doch reizvoll. Auf jeden Fall einen Besuch wert.